Wir haben sie mit eigenen Augen gesehen: Die Frauen, denen unsere Spenden in den letzten 5 Jahren zugute gekommen sind. Conny und ich standen auf Baustellen, wo „unsere" Handwerkerinnen Mauern hochziehen, eine Bauingenieurin, deren Studium wir mitfinanziert haben, die Bauleitung macht und eine Architekturstudentin, die schon während ihres Studiums Häuser entwirft. Das war in Bukavu, eine Millionenstadt am Kivu-See. Landschaftlich kann man sich das vorstellen wie Genf in der Schweiz. Die Berge nicht ganz so hoch, aber die Seelage ist zauberhaft.

Wäre die Demokratische Republik Kongo nicht jahrzehntelang in Menschen zerfleischenden Bürgerkriegen versunken und von Korruption heruntergewirtschaftet, gäbe es auch andere Gründe, den Kongo mit der Schweiz zu vergleichen. Es ist ein reiches Land. Reich an Bodenschätzen, ertragreiche Landwirtschaft ist möglich und die Gegend im Ostkongo liegt hoch, sodass die Temperaturen angenehm sind.

Seit gut 2 Jahren ist nun in den mep1110393isten Gegenden einigermaßen Frieden. Auch in dem ländlichen Gebiet - Walungu - mit dem Geländewagen in ca. 2 Stunden auf Lehmpisten zu erreichen. Die Landschaft ist der dem Taunus ähnlich, die Täler etwas tiefer, kaum Wald, da überall Landwirtschaft betrieben wird. Im Dorfzentrum stehen einige Verwaltungsgebäude, eine Schule, kleine Geschäfte, zwei einfache Hotels, ein Krankenhaus, das von katholischen Nonnen gegründet und von der englischen Queen, Ende der 50er Jahre eingeweiht wurde. Die einfachen Häuser der von der Landwirtschaft lebenden Bauern/Bäuerinnen liegen weit über die Täler und Anhöhen verteilt. Nachts ist es finster, es gibt bisher keinen kontinuierlichen Strom. Auch ein Militärcamp mit 500 pakistanischen UN-Soldaten ist zu sehen. Deshalb gibt´s recht guten Handyempfang - das wichtigste Kommunikationsmittel Afrikas. Denn es funktioniert selbst für Bankgeschäfte recht zuverlässig.

Die ländliche Bevölkerung war viele Jahre unterschiedlichen Rebellengruppen ausgeliefert. Niemand schützte sie vor marodierenden Banden, die sich einfach stahlen, was sie brauchten: auch Frauen gehörten dazu. Wer nicht ermordet wurde, hatte keine Chance mehr in die Gesellschaft zurück zu finden. Viele „verlorene Töchter" vegetierten vor sich hin.

Der Leiter des Ausbildungsprojektes (CFAP) Jean-Pierre Kahasha Kashombe hat selbst die Wirren der Kriege kaum überlebt. Als jugendlicher Minenarbeiter hat ihn der Urwald beinah getötet. Er entkam, wurde selbst von einem kirchlichen Hilfswerk (CAPA in Bukavu) ausgebildet und sah die Not der jungen Frauen in seinem Heimatgebiet Walungu. Mit eigenen Finanzmitteln startete er das CFAP.

An dieser Stelle kommt unsere Kirchengemeinde ins Spiel. Frauen wurden zu Handwerkerinnen ausgebildet: Häuser sollten sie bauen können. Mauern errichten, Strom legen, Möbel bauen. „Frauen auf dem Dach", galt bis dahin als Tabu. Durch die Unterstützung einflussreicher Amtsträger konnp1110494te es überwunden werden.

Das Know how für´s Handwerk war da, aber wer sollte die Ausbildung der jungen Frauen bezahlen ? Wir, so fragte die deutsche Entwicklungshelferin Jessy Bohr unsere Gemeinde an! So ging´s los: Im Jahr 2010 sammelten wir ca 800 Euro für die Ausbildung einer Frau. Jahr für Jahr etwas mehr, insgesamt für 14 Frauen - so dachten wir. Im Kongo haben wir dann eine große Überraschung erlebt: Es sind mehr als 89 ausgebildete Frauen ! - Wie konnte das Geschehen ?

„Gott tut Wunder", so wurde uns berichtet. „Er weckt das Herz der Menschen und lässt die aufeinander treffen, die das Herz am rechten Fleck haben. Dann kann Wunderbares geschehen." Von dem gespendeten Geld werden Ausbilder bezahlt, die sogar bereit sind für weniger Gehalt zu arbeiten. Sie geben ihr Wissen nicht einer, sondern zwei bis drei Frauen weiter. In einer Möbelwerkstatt haben wir´s mit eigenen Augen gesehen. Die Frauen wiederum unterstützen mit ihrem später selbst verdienten Geld die Ausbildung anderer Frauen, und so wurden aus 14, 89 ausgebildete Frauen mit Abschluss und darüber nochmals noch mehr, die keinen Abschluss gemacht haben, aber dennoch in ihrem Beruf arbeiten können.

Eine Mutter bedankte sich bei uns und schenkte uns Bananen, weil wir ihrer Tochter eine Zukunft ermöglicht haben. Ein Ehemann schüttelt uns die Hände, weil seine Frau ein völlig neuer

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Mensch geworden ist und die Familie eine Zukunft hat. Ein Ausbilder dankt uns von Herzen, dass wir weit gereist sind, „um sie und die Frauen zu stärken".

Schulkinder singen von ihrem Vertrauen auf Jesus. Ein alter Mann segnet uns, „Gott macht uns stark", sagt ein Mann. Wir sind zusammen mit Schwestern und Brüdern. Das ist die weltweite Familie Gottes. Sie beten und flehen zu Gott um Frieden. Sie erzählen von ihren Plänen und von dem Wunsch, ihr Leben und den Kongo aufzubauen.

Leicht ist das nicht, denn es fehlt an Investoren. Deshalb haben die Frauen vor zwei Jahren eine Baugenossenschaft gegründet (AFB). Da es kaum private Investoren gibt, haben sie sich zusammengeschlossen, um Bauprojekte zu verwirklichen, weitere Frauen auszubilden und schließlich alle Gewerke für den Hausbau unter einem Dach zu haben. Um das zu organisieren und ihr Können vor Augen zu stellen, möchten sie ein Haus als repräsentativen Sitz ihre Bauunternehmens bauen. Ihr Motto ist: „Built beautiful houses for beautiful women !" Sie bitten uns, sie dabei zu unterstützen. Sie selbst werden es mit eigenen Händen errichten. Das Material muss gekauft werden.

Ein Wunder haben wir schon erlebt. Wir haben es nicht geahnt, wie Gott dort segnet. Wir werden weiter Gott vertrauen und in die Frauen investieren. Gott tut Wunder - zusammen mit uns Menschen.

Conny und Jürgen Seinwill, Herbst 2015

Ev. Kirchengemeinde Niedernhausen
IBAN DE82 5125 0000 0043 0007 99
Taunussparkasse Niedernhausen
Verwendungszweck: Kongo

Neue Entwicklungen im Ostkongo in Walungu durch das Ausbildungszentrum

ostkongo 1Das Ausbildungszentrum CFAP entwickelt sich dank der tatkräftigen Unterstützung der evangelischen Kirchengemeinde Niedernhausen prächtig. Mit den Impulsen und Ideen der Gemeindemitglieder konnten sogar schon Verhaltensänderungen innerhalb der Bevölkerung erreicht werden. Dies ist in der Friedensarbeit ein enormer Erfolg, der nicht einfach zu erreichen ist – und schon gar nicht in der verhältnismäßig kurzen Zeit von drei Jahren.
Die Verhaltensänderung betrifft die sehr strengen Traditionen, bezüglich der Verhaltensnormen von Frauen. Die großartige Niedernhausener Unterstützung von Mädchen und jungen Frauen zur Ausübung von „Männerberufen" wie zum Beispiel Schreiner oder Maurer hat bewirkt, dass es in Walungu nun ein alltägliches Bild geworden ist, dass Frauen Backsteinhäuser bauen oder auf Dächern als Dachdeckerin herumkriechen. Sogar der Hüter der Traditionen – der sogenannte Mwami –der traditionelle Chef von Walungu – hat dem Ausbildungszentrum seinen Glückwunsch für die gute Arbeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen ausgesprochen.

Die Berufsausbildung von Mädchen hat vielfältige Folgen für die dortige Gesellschaft:

  • ostkongo 2Schaffung von Arbeitsplätzen: Der Kongo ist normalerweise eine sehr Männer-geprägte Gesellschaft. Die Gender-Mainstreaming-Bemühungen vieler Organisationen sind aufgrund der Traditionen an den meisten Kommunen in der Kivu-Region abgeprallt. Viele Organisationen, die z.B. im Baugeschäft investieren, müssen für die Geldgeber einen Frauenanteil unter den Mitarbeiterinnen nachweisen, was immer eine große Herausforderung für die Arbeitgeber darstellt. Das ist das große Glück des Ausbildungszentrums, die einen großen Anteil von Frauen im Baubereich (Maurerinnen, Schreinerinnen und jetzt auch noch Elektrikerinnen) ausgebildet haben. So war es möglich, dass das CFAP die Aufträge erhielt, das Gefängnis von Walungu, ein Hotel und ein Gesundheitszentrum zu bauen. All diese Aufträge haben den weiblichen und auch den männlichen Lehrlingen des Ausbildungszentrums eine bezahlte Arbeit und Berufserfahrung verschafft. ostkongo 3Es gilt auch noch zu untersuchen, ob viele Bauaufträge deshalb nach Walungu statt einer anderen Region kamen, da man hier ohne Probleme ausgebildete weibliche Fachkräfte finden kann?
  •  Schaffung von Ausbildungsplätzen für Frauen und Männer: Von der finanziellen Unterstützung der evangelischen Kirchengemeinde für bestimmte Azubis profitieren auch die anderen Lehrlinge. Dies ist möglich, da durch die Investition die Ausbildung an Qualität gewinnt und mehr Material sowie gutes Werkzeug für alle zur Verfügung stehen.
  • ostkongo 4Erfolgreiche weibliche Azubis gelten als Vorbild für künftige Azubis. Durch unsere erfolgreichen Azubinen Mapenzi, Claudine, Maisha, Zawadi oder Kitumaini sehen viele Frauen und Mädchen, dass sie durchaus auch eine Chance in Männerberufen erhalten können. Die genannten Frauen werden in der Gesellschaft voll anerkannt. Ihre Chancen auf dem Heirats- und natürlich auch dem Arbeitsmarkt sind enorm gestiegen. Die Männer akzeptieren ihre Arbeit und sind sogar stolz auf ihre (Ehe-) Frauen. Dies ist wirklich eine sehr erstaunliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass wir hier in einem Land sind, in dem Frauen bei Abschluss eines Arbeitsvertrages um die schriftliche Erlaubnis ihrer Ehemänner bitten müssen!

Zum Abschluss möchte ich noch kurz auf die persönlichen Erfolge unserer Azubis zu sprechen kommen: Unsere erste Azubine Mapenzi hat eine verantwortungsvolle Arbeit bei einem GIZ-Projekt gefunden. Das Projekt „Unterstützung des Straßenbauamts im Ost-Kongo (PAREST)" baut Straßennetze in drei Regionen Kongos auf. Mapenzi hatte zunächst als Bauarbeiterin für PAREST gearbeitet. Nun ist sie als „Verantwortliche der Strassenbauarbeiter in Walungu" aufgestiegen. Unsere Azubine Kitumaini konnte in Bukavu, wo seit ein paar Jahren die Bauwut ausgebrochen ist, eine Arbeit als Dachdeckerin finden.

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Ein Ausbildungsplatz kostet ca. 800,- Euro. Mit Ihrer Spende können Sie den Wandel in Walungu unterstützen. Wenn Sie einen Ausbildungsplatz mitfinanzieren, ermöglichen Sie einer jungen Frau mit schwerer Vergangenheit eine gute Zukunftsperspektive.

Spendenkonto: Ev. Kirche 43000799 bei der Taunussparkasse (512 500 00)

 

 

 

Über den Tellerrand geschaut: Spendenmöglichkeiten

Für uns Christen gilt: „Du sollst deinen Nächsten lieben" (z.B. 3. Mose 19,18; Lukas 10,37) als der besondere Auftrag und zugleich die praktizierte Nachfolge von Jesus Christus, der sich ohne Unterschied allen Menschen zugewandt hatte. Dieser christliche Auftrag ist nicht räumlich begrenzt oder nur auf eine bestimmte Gruppe Menschen beschränkt, sondern gilt weit über die Grenzen unseres täglichen Lebens und damit auch unserer Gemeinde hinaus für alle Hilfsbedürftigen und Verfolgten auf der Welt.

In unserer Kirchengemeinde selbst geschieht dies durch die Stiftung „Lebensräume" auf vielfältige Weise.
Wir möchten hier die Projekte vorstellen, mit denen die Gemeinde „über den Tellerrand schaut", um die Notleidenden und Schwachen in dieser Welt zu unterstützen und ihnen eine gerechte und lebenswerte Grundlage zum Leben zu schaffen. Konkrete Spendenprojekte sollen vor Ort als Hilfe zur Selbsthilfe und zum Aufbau von Selbst-ständigkeit dienen.

Die nachfolgende Übersicht zeigt die unterschied-lichen Projekte, die materiell oder finanziell – oft schon über Jahre – gefördert werden:

1. Tafel in Idstein

Idee der „Tafel“: Lebensmittel, die das Verfalldatum erreicht haben, bei den Herstellern und Märkten einsammeln und an bedürftige Menschen weitergeben. Gemeindemitglieder bieten an den Ausgabetagen einen Fahrdienst für Berechtigte

Kontakt: Pfarrbüro

 

2. Patenschaft für einen Waisen

über Missionskrankenhaus „Diospi Suyana“ in Peru;

Spenden des Hauskreises finanzieren das Informatikstudium

Kontakt: Marianne Schäfer

 

3- EINE WELT STAND „Fair Trade“

Unterstützung der Arbeits- und Lebenssituation von Kleinbauern und deren Familien in der „3. Welt“ durch den Verkauf von fair gehandelten Waren beim Kirchenkaffee zu gerechten Preisen für die nachhaltig produzierten Waren

Kontakt: Barbara Schuhmann

 

4. INTACT e.V.

Spendenprojekt des Eine Welt Standes zur Unterstützung der internationalen Aktion gegen die Beschneidung (Genitalverstümmelung) von Mädchen und Frauen

Kontakt: Barbara Schuhmann