Gottesdienst - etwas anders !


...Wir haben einen Traum, dass die Gottesdienste unserer Gemeinde zu einer lebensverändernden Erfahrung werden, die über uns selbst hinaus immer neue Menschen davon begeistert, Christen zu werden und Christen zu bleiben...

Dieser schöne Traum, von einer anderen Gemeinde vorgeträumt, hat sich auch in unseren Köpfen eingenistet.

...Und wir wollen alles dafür tun, dass wir hier in unserer Gemeinde nicht nur vom Leben  träumen, sondern diesen Traum leben...

So kam es dazu, dass wir den Träumen Beschlüsse und Taten folgen ließen: Seit einigen Jahren feiern wir unseren Gottesdienst etwas anders als vorher.

Das versuchen wir, etwas anders zu machen:

  • Wir wollen einen Gottesdienst für alle zusammen gestalten und feiern. Deshalb haben wir unseren einen Gottesdienst verändert und nicht einen zweiten Gottesdienst entworfen.
  • Viele Menschen sollten sich an der Durchführung des Gottesdienstes beteiligen können. Sie sollen erleben: Ich kann den Gottesdienst verändern und er verändert mich und mein Leben. Deshalb sind inzwischen Vertreter von mehreren Teams  an jedem Gottesdienst beteiligt.
  • Die Musik soll unsere Gefühle tiefer berühren. Mehrere Musikgruppen und zwei Kirchenmusiker verhelfen uns zu mehr Ausdrucksstärke und einer großen Stilvielfalt.
  • Die Worte in Liedern, Gebeten und anderem wie z. B. dem Bekenntnis sollen verständlicher sein. Deshalb arbeiten wir an unserem Liedgut und Textmaterial inhaltlich und in der Auswahl stets weiter.
  • Die Predigten sollen einen stärkeren Bezug zu Themen unseres Lebens herstellen. Das Pfarrteam versucht, diesem Anliegen mit eigenen Predigtreihen zu passenden Themen nachzukommen.
  • Unser persönliches Leben soll in den Gebeten vorkommen. Deshalb kann jeder im Gottesdienst sein persönliches Gebet einbringen.
  • Wir wollen Gott in der Vielfalt seiner Ausdrucksformen Raum in unserem Gottesdienst geben. Deshalb hören und empfangen wir ihn in Wort und Sakrament und feiern jeden Sonntag das Abendmahl.
  • Die Gastfreundschaft Gottes ist die Hauptbotschaft jedes Gottesdienstes. Sie strahlt auch in das nach jedem Gottesdienst stattfindende Kirchenkaffee aus. Hier können Kontakte geknüpft und vertieft werden. Durch einen Büchertisch und den monatlichen „Eine-Welt-Verkauf“ ist inzwischen eine Art „Marktplatz-Charakter“ entstanden.
  • Unsere „Gäste” werden vor und nach dem Gottesdienst und beim Kirchen-Kaffee begleitet. Viele von uns machen von der „3-Minuten-Regel“ nach dem Gottesdienst Gebrauch. In den ersten drei Minuten stellen wir uns nicht gleich mit alten Bekannten zusammen, sondern begrüßen jemanden, den wir noch nicht kennen.

 

Gottesdienst-Ordnung

Diese überarbeitete Gottesdienstordnung ist ein Versuch, den Gottesdienst verständlicher zu machen. Für weitere Anregungen, aber auch Kritik sind wir dankbar.

  • Glockengeläut
  • Musikalisches Vorspiel
  • Begrüßung und Eröffnung des Gottesdienstes
  • 1. Wir loben Gott
    • Singen - Wir singen es uns ins Herz und einander zu: Gott will uns berühren und miteinander verbinden.
    • Beten - Kurze Gebete zwischen den Liedern machen uns hellhörig für das, was wir singen.
    • mit einem kindgerechten Impuls und Lied gehen die Kinder in hren eigenen Gottesdienst

    • Bekennen - Unser Lob schließt damit, dass wir uns zu Gott bekennen - mit einem alten oder neuen Glaubensbekenntnis.
  •  2. Gott spricht mit uns - und wir mit ihm
    • Predigt
    • Musik zum Nachdenken
    • Wer möchte kann ein Gebetsanliegen auf ein Kärtchen schreiben, das auf den Bänken ausliegt, und es später beim Abendmahl auf den Altar legen - oder es jemandem mit nach vorne geben. Einige Gebetsanliegen werden im Fürbittgebet aufgegriffen.
  • 3. Wir feiern gemeinsam Abendmahl
    • Abendmahlslied
    • Hinführung zum Abendmahl im Gebet
  • Vergebung - Gemeinschaft - Ewigkeit - diesen Dreiklang will Gott im Abendmahl in uns erklingen lassen.
    • Vergebung - Wenn Du den Kelch bekommst: Spüre, wie die Liebe Gottes in Dich strömt, in Dich - so wie Du bist an diesem Sonntagmorgen.
    • Gemeinschaft - Wenn Du das Brot gereicht bekommst: Fühle die Gemeinschaft mit Jesus und den Menschen, die mit Dir im Kreis stehen
    • Ewigkeit - Wenn wir uns an der Hand nehmen, erinnere Dich, dass Jesus gesagt hat: Mit wem Du Abendmahl feierst, mit dem bleibst Du auf ewig verbunden.
  •     Vater unser
  •     Die Erzählung vom letzten Mahl Jesu
  •     Feier des Abendmahls im Kreis um den Altar
    • Wir legen unsere Gebetsanliegen auf den Altar, bilden um den Altar einen Kreis, reichen uns das Brot weiter mit den Worten: „Christi Leib für dich gegeben“ oder „Brot des Lebens für dich“
    • Der Kelch mit dem Traubensaft wird von Mitarbeitern der Gemeinde gereicht.
  •     Dankgebet und Lied
  • 4. Wir bringen unsere Anliegen vor Gott
    • Gemeinschaftsgebet
    • Die nach der Predigt notierten Gebetsanliegen werden vorgelesen. Wir versuchen, als Gemeinschaft im Gebet die Anliegen jedes Einzelnen mit zu tragen.
    • Alle Gebetsanliegen werden von einer Gebetsgruppe in der kommenden Woche vor Gott gebracht.
  • Weitersagen
    • Es wird bekannt gegeben, was uns alle angeht: gute und traurige Nachrichten, Informationen von Einzelnen oder aus Gruppen der Gemeinde.
    • Lassen Sie uns wissen, was alle wissen sollten, sagen Sie uns, was am nächsten Sonntag weitergesagt werden kann.
  • Verabschiedung
  • Segen
  • Segenslied
    • Beim Segenslied nehmen wir uns an der Hand.
  • Musikalisches Nachspiel
  • Nach dem Gottesdienst bieten wir in der Kirche Gebet und Segnung an. Zudem sind Sie im
  • Gemeindehaus zu einem heißen oder kalten Getränk eingeladen.

Wer was tut

Von der „One-man-show“ haben wir uns verabschiedet. Mehr Menschen sollen sich aktiv am Gottesdienst beteiligen können. Sie erleben: Ich kann mich in den Gottesdienst einbringen, und er verändert mich. Daneben respektieren wir die Freiheit, im Gottesdienst „einfach hier sitzen zu dürfen“ (frei nach Loriot).

Inzwischen sind es folgende Teams, deren Vertreter die Gottesdienste mitgestalten:

Das Küsterteam besteht aus über 20 Ehrenamtlichen, die in Teams zu zweit oder zu dritt jeweils einen Gottesdienst und vor allem die Gottesdienstteilnehmer/innen „betreuen“. U.a. begrüßen sie, verteilen Gesangbücher, sorgen für Blumen und bereiten den Abendmahlstisch vor.
Das Moderatorenteam leitet den Gottesdienst mit persönlichen Worten thematisch ein. Sie sind bei der Austeilung des Abendmahls beteiligt und verknüpfen durch  das „Weitersagen“ den Gottesdienst mit dem Gemeindeleben unter der Woche.

Das Predigtteam besteht in der Regel aus dem Pfarrteam. Einige Prädikant/innen bereichern  zudem die Gottesdienstgestaltung.
Das Musikteam besteht aus zwei Musikern an E-Piano oder Orgel und verschiedenen Musikgruppen . Gerade diese Offenheit in Sachen Musik hat im Lauf der Zeit viele Menschen angezogen.
Vielen Eltern wird durch das Kindersonntagsteam die Teilnahme am Gottesdienst ermöglicht.

Das Gebetsteam nimmt die im Gottesdienst geschriebenen Karten sowohl ins Schlussgebet als auch in einem separaten Treffen des Teams auf. Das Gebets- und Segnungsteam bietet ein persönliches Gebet und einen Segen nach dem Gottesdienst in der Kirche an.

Das Kaffeeteam sorgt dafür, dass die Gäste nach Ende des Gottesdienstes ein Getränk genießen können.

Das Büchertischteam bietet passende Bücher zu Glaubensthemen an.

Das Team vom "Eine-Welt-Verkauf" handelt fair.

Auch die KirchenvorsteherInnen arbeiten im Gottesdienst als Team. Sie zählen Kollekten und wischen Abendmahlskelche sauber.

Darüber hinaus gibt es weitere helfende Hände, ohne die der Gottesdienst nicht denkbar ist:

Ohne die Leute am Overhead-Projektor bleiben uns die Töne weg. 
Das Küsterteam  legt die passenden Paramente auf und sorgt für neue Kerzen.
Reinigungskräfte säubern Boden und Bänke.
Ohne die Gemeindebürosekretärin würde nicht nur hier das Chaos ausbrechen.

 


Die 3-Minuten-Regel

Stellen Sie sich vor: Ein Mensch, der noch nie oder selten in unserer Kirche war, kommt am Sonntag in den Gottesdienst. Der Gottesdienst ist vorbei, ein paar Menschen laufen sofort weg, andere stehen im Kreis, verstehen sich prächtig und lachen über Dinge, die nur sie verstehen. Auf einer der Bänke wird konzentriert Geld gezählt und die Pfarrerin diskutiert mit zwei Kirchenvorstehern über die letzte Sitzung. Jeder normale Mensch würde nach 3 Minuten gehen und vermutlich nicht wiederkommen, ganz gleich, welche Qualität der Gottesdienst vorher gehabt hat.

Deshalb üben wir uns in der 3-Minuten-Regel. In den ersten 3 Minuten nach dem Gottesdienst schauen wir uns nach einem anderen Menschen um, mit dem wir noch nie gesprochen haben. Die Kreise öffnen, den Kollektenkasten noch kurz hängen lassen. Lieber auf die Witwe zugehen, für deren verstorbenen Mann gerade gebetet wurde. Für ein herzliches Beileid braucht man keine Seelsorgeausbildung.

Alles hat seine Zeit. Auch das Lachen und Scherzen mit guten Freunden. Es ist schön, dass so viele in unserer Gemeinde gute Freunde gefunden haben und dass es so viel zu lachen gibt.

Alles hat seine Zeit. Und manchmal sind es nur 3 Minuten, auf die es ankommt. 

Neue Gesichert entdecken? Vielleicht ist jetzt der Augenblick, einander kennenzulernen

 


Warum jeden Sonntag Abendmahl?

Wir feiern jeden Sonntag das Abendmahl in unserem Gottesdienst. Entnehmen Sie hier einige Erläuterungen warum wir uns dazu entschlossen haben.

Stärkung des Glaubens oder leeres Ritual

1. Was steht eigentlich in der Bibel dazu?

Im Neuen Testament werden Gottesdienst und Abendmahl gleichgesetzt. Es gab keinen Gottesdienst ohne Abendmahl, das Abendmahl war Zentrum eines jeden Gottesdienstes. Alle Gebete, die Predigt und die Lobgesänge liefen auf das Abendmahl zu. Mit anderen Worten: Ein Gottesdienst ohne Abendmahl war gar nicht denkbar, alle Elemente des Gottesdienstes dienten lediglich der Vorbereitung des Abendmahls.

Den Christen der neu-testamentlichen Gemeinden war nämlich vor allen Dingen Gemeinschaft wichtig, Gemeinschaft mit Jesus Christus und Gemeinschaft untereinander. Das wurde für sie nirgends so wichtig wie im Abendmahl, wenn sie untereinander Brot und Wein teilten und spürten, dass Jesus Christus auf einmal wirklich unter ihnen war.

Weil sie diese Gemeinschaft sehr stark für ihr Leben und Überleben brauchten, feierten sie mindestens einmal wöchentlich Abendmahl.

2. Warum hat sich das in der evangelischen Kirche anders entwickelt?

Noch Martin Luther hat das Abendmahl täglich gefeiert, in fast allen anderen Konfessionen ist jeder Gottesdienst in erster Linie Abendmahlsfeier. Nur in der evangelischen Kirche gab es eine andere Tendenz. Es gab Zeiten und es gibt auch heute noch Gegenden, wo das Abendmahl nur 1-2-mal im Jahr gefeiert wird. Woran liegt das?

Es sind im Wesentlichen vier Gründe:

2.1 Die Evangelische Kirche war schon immer besonders anfällig für gesellschaftliche Strömungen. So hat sich besonders in der Zeit der Aufklärung der evangelische Gottesdienst zu einer sehr rational-vernünftigen Veranstaltung entwickelt. Die Konzentration des evangelischen Gottesdienstes verlagerte sich vom Abendmahl weg und immer mehr auf die Predigt. Bis heute ist die Predigt das Kernstück eines evangelischen Gottesdienstes: der evangelische Christ will über den Glauben mit vernünftigen Argumenten informiert werden – das Erleben des Glaubens, der Gemeinschaft steht nicht so im Mittelpunkt.

2.2 In diesem Zusammenhang stand auch, dass das Abendmahl den kritischen Fragen der Aufklärung nicht standzuhalten schien: "Christi Leib und Blut verbindet Menschen zu einer Gemeinschaft" – das hörte sich nicht sehr vernünftig an und war rational nur schwer vermittelbar. Also ließ man es verschämt unter den Tisch fallen und überließ den "Hokuspokus" den weniger "fortschrittlichen" Kirchen.

2.3 Bedingt durch die Ereignisse der Reformation und durch die Theologie Martin Luthers war evangelischer Glaube vor allem von einem Thema geprägt: der Rechtfertigung.

Das heißt: die Frage von Schuld und Vergebung wurde zum Haupt- und manchmal zum einzigen Thema. Andere Themen wie Gemeinschaft, Gebet und Anbetung traten dagegen zurück oder gerieten ganz in Vergessenheit.

Das heißt: auch das Abendmahl wurde reduziert auf den Gedanken der Sündenvergebung. Dieser Gedanke steckt im Abendmahl drin, aber er ist eben nicht der einzige (s. Punkt 3.1). Wenn er aber zum einzigen Punkt wird, besteht weder die Notwendigkeit noch das Bedürfnis, das Abendmahl häufiger zu feiern:

Die Notwendigkeit nicht, weil keiner sich so schuldig fühlt, dass er so eine Veranstaltung Woche für Woche oder gar täglich für nötig hielte.
Das Bedürfnis nicht, weil das evangelische Abendmahl vor diesem Hintergrund zu einer extrem ernsten und traurigen Angelegenheit wurde: man ging in Schwarz, schaute nur auf den Boden, kniete in Reihen nebeneinander vor dem Altar usw. – das hält kein Mensch Woche für Woche aus!


2.4 Schließlich entwickelte die evangelische Kirche seit dem 18. Jahrhundert eine starke Tendenz zur Individualisierung und Vergeistigung: "Mein Gott und meine Seele" wurde zum Charakteristikum protestantischer Frömmigkeit. Das "Wir" und "Uns" ging genauso verloren wie die leibliche Dimension des Glaubens. Verständlich, dass es mit dieser Haltung immer schwerer zu begründen ist, zum Abendmahl – und zur Kirche überhaupt! – zu gehen: "Mein Gott und meine Seele" brauchen ja wirklich keinen anderen Menschen mehr zum Glauben. Es entwickelte sich ein sehr individueller Glaube, der größeren Herausforderungen meist nicht standhielt.

3. Aber was passiert nun eigentlich beim Abendmahl?

Im Neuen Testament wird das Abendmahl in drei Dimensionen beschrieben, die hier so kurz wie möglich skizziert sind:

3.1 Ein zentraler Gedanke ist tatsächlich die Vergebung der Sünden. Und das wird sehr deutlich beschrieben: Das Blut Christi wäscht uns rein von unsrer Schuld - ein nicht eben leicht zu ertragender Gedanke. Aber wenn Gott die Sache so ernst ist, sollten wir nicht verharmlosen und abwinken nach dem Motto: "Für mich wäre das nicht nötig gewesen." Das Abendmahl ist der Ort, wo Gott wenigstens mit ein paar Menschen einen Neuanfang macht, wo jeder Woche für Woche neu versuchen darf mit Gott zu leben in dieser kaputten und verrückten Welt.

Das ist bei Licht besehen eine sehr frohe Angelegenheit, wenn wir es so feiern, wie es Jesus und die anderen gesagt haben. Denn die Betonung liegt nicht auf Schuld haben, sondern auf Schuld loswerden: frei zu werden von allem, was mein Leben schwer und dunkel macht. Eine Zukunft ohne Schuld kann jederzeit beginnen.

Spricht etwas dagegen, das jede Woche zu erleben?

3.2 Genauso wichtig ist der oben erwähnte Gedanke der Gemeinschaft. Während die Vergebung der Sünden eher am Kelch verdeutlicht wird, ist das Symbol für die Gemeinschaft das Brot.

Dabei galt es, wie erwähnt, einerseits um Gemeinschaft der Menschen untereinander, die andererseits durch die Gemeinschaft mit Jesus Christus ermöglicht wird. In unseren Gottesdiensten kommt das zum Ausdruck, indem wir im Kreis um den Altar stehen, der unsere Mitte bildet: wir sehen gleichzeitig das Kreuz und unserem Gegenüber in die Augen – der einzige Ort im ganzen Gottesdienst, wo das möglich ist.

Spricht etwas dagegen, diese Blickrichtung jede Woche einzuüben?

3.3 Grundlegend für beides ist ein dritter Gedanke, der uns heute nicht mehr so zugänglich ist, für Jesus selbst aber am allerwichtigsten war: Abendmahl ist Teilhabe am Reich Gottes. Es wird erst in zukünftigen Tagen beginnen, aber wir gehören schon heute dazu und warten darauf.

Das ganze Alte und Neue Testament ist durchzogen von Berichten, wo Gott persönlich anwesend ist, wenn Menschen gemeinsam essen: Abrahams Einladung an die drei Fremden, von denen einer, ohne dass er es weiß, Gott selber ist; das Passahmahl beim Auszug aus Ägypten; Manna in der Wüste; Jesu Tischgemeinschaft mit Pharisäern, Zöllnern und Huren; die Speisung der 5000 – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Jesus setzt das Abendmahl an Passah ein – und verbindet es so mit der langen Geschichte Gottes mit seinem Volk. Vergangenheit und Zukunft an einem Tisch: eines Tages werden wir alle frei sein von persönlicher Schuld und das ganze Volk von Not und Unterdrückung.

Jesus weist oft bei gemeinsamen Mahlzeiten, und ganz besonders beim Abendmahl darauf hin: Was wir hier tun, ist eine Vorahnung auf die große himmlische Feier, auf das Fest Gottes, auf die Tischgemeinschaft im Reich Gottes.

Wenn wir Abendmahl feiern, verlassen wir für einen Moment auch unsere kleine, beschränkte Welt und haben Anteil an etwas, was unsere Vorstellungen und Möglichkeiten grundsätzlich übersteigt. Wir werden hineingestellt in die Geschichte Gottes mit seinem Volk – und wir bekommen ein Ziel, das weit über unser persönliches Ende hinausreicht. Denn das Abendmahl ist Gemeinschaft mit dem, der den Tod überwunden hat.

Spricht etwas dagegen, in jede Woche ein Stück Ewigkeit hinein zu nehmen?

4. Warum war es so schwierig, sich für das wöchentliche Abendmahl zu entscheiden?

Nun ist es ja nicht so, dass einer gesagt hätte: "Ach nein, mit Gott will ich keine Gemeinschaft haben". Meist waren es eher andere Gründe, die die Entscheidung schwer gemacht haben.

4.1 Der Gottesdienst könnte zu lange dauern. Es gibt Gemeinden, denen fällt immer etwas Neues ein, was man noch alles Schönes im Gottesdienst machen könnte, und am Ende dauert die ganze Sache dann 2½ Stunden. Nein, das ist der falsche Weg. Bei uns dauert der Gottesdienst auch mit Abendmahl etwa etwa 1 1/4 Stunde.. Wir haben dafür andere Dinge gekürzt oder gestrichen.

4.2 Das Abendmahl könnte durch zu häufiges Feiern abstumpfen und dadurch träte ein Gewöhnungseffekt ein.

Dieses Argument träfe dann aber auf alle Elemente des Gottesdienstes zu, und niemand käme etwa mit demselben Argument auf die Idee, etwa die Streichung der Predigt oder des Vaterunser zu fordern. Und tatsächlich drängt es sich auf, dass dieses Argument sich gegen das wöchentliche Feiern des Gottesdienstes überhaupt richtet.

4.3 Unser Abendmahl ist nicht so schön, wie es in Punkt 1.-3. beschrieben ist. Man erlebt zum Beispiel die Gemeinschaft überhaupt nicht so.

Dies ist sicher teilweise richtig: wir sind beim Abendmahl erst auf dem Weg. Gut ist z.B., dass wir es schon im Kreis feiern und nicht mehr in 8er Reihen. Aber das Wunderbare der Gemeinschaft mit Gott und untereinander könnte noch viel deutlicher spürbar werden. Der Segenskreis und das Händereichen am Ende des Abendmahls sind erst ein Anfang.

Nur: die Bereitschaft etwas zu ändern wird erfahrungsgemäß größer, wenn man es häufig tut. Früher hat selbst ein regelmäßiger Kirchgänger vielleicht 4-5-mal im Jahr das Abendmahl mitbekommen. Was man aber nur 4-5-mal im Jahr erlebt, braucht nicht groß verändert werden.

4.4 Nach evangelischem Verständnis darf jeder getaufte Christ, der Mitglied einer Kirche ist, am Abendmahl teilnehmen. Diese Gemeinschaft schließt die ganze Ökumene ein, die sich der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen zusammen getan hat.

Kinder, die mit ihren Eltern zum Abendmahl gehen, dürfen aufgrund eines Kirchvorstandsbeschlusses teilnehmen. Es ist aber ratsam, die Kinder auf das, was da geschieht, angemessen vorzubereiten, etwa durch ein vorbereitendes Gespräch. Aus diesem Grund nehmen auch die Konfirmanden erst nach einer Einführung im Unterricht teil.

5. Wie erleben wir das wöchentliche Abendmahl?

Das Abendmahl ist nun wieder fester Bestandteil eines jeden Gottesdienstes. Sicherlich ist nicht alles perfekt und es sollte weiterhin unser erstrebenswertes Ziel bleiben, dass wir in Gottesdienst und Abendmahl erleben,

wie Gottes Vergebung uns befreit und froh macht,
wie Gott uns mit sich und unter uns durch Liebe verbindet und
wie Gott für jede persönliche Lebenssituation Trost und Hoffnung bereithält.
Jeden Sonntag Gemeinschaft der Menschen - jeden Sonntag Gemeinschaft mit
Jesus Christus - jeden Sonntag von aller Schuld befreit sein - jeden Sonntag Teilhabe am Reich Gottes.