Unser Gemeindeaufbau ist inspiriert durch die Erkenntnisse der „natürlichen Gemeindeentwicklung“ von Chr. A. Schwarz.         

Es geht um Entwicklungsprinzipien, die Gott selbst in die Schöpfung gelegt hat und aufgrund biblischen Studiums auf die Gemeinde angewendet werden. Schwarz zeigt durch weltweite empirische Studien, dass es qualitative Merkmale gibt, die Gemeinden wachsen lassen. 

Er hat acht Qualitätsmerkmale entwickelt: Bevollmächtigende Leitung, gabenorientierte Mitarbeiterschaft, leidenschaftliche Spiritualität, zweckmäßige Strukturen, inspirierender Gottesdienst, ganzheitliche Kleingruppen, bedürfnisorientierte Evangelisation, liebevolle Beziehungen.

Diese acht Bereiche werden in jeder Gemeinde mit Inhalt gefüllt. Das Geheimnis liegt also nicht in den Substantiven (Leitung, Mitarbeiterschaft, ...), sondern den Adjektven (bevollmächtigende, gabenorientierte, ...). Es geht nicht darum, eine Methode qualitativ hochwertig anzuwenden und dann wächst und gedeiht die Gemeinde, sondern darum Gottes Wachstumspotentiale, die er in die Gemeinden legt, freizusetzen.

Die acht Qualitätsmerkmale einer wachsenden Gemeinde:

1. Qualitätsmerkmal: Bevollmächtigende Leitung

Gute Leiter führen ihre Gruppen und Kreise so, dass alle Beteiligten gerne kommen und sich wiederum selbst einbringen. Leiter sehen ihre Aufgabe darin, andere Christen zum Dienst zu befähigen, indem sie zur Mündigkeit geführt und für ihre Aufgabe bevollmächtigt werden. Leiter bemühen sich, das Leiterpotential in anderen Leitern freizusetzen und zu stärken. Dazu gehört auch die Kunst, eine Aufgabe nach einer Weile abzugeben, Verantwortung zu übertragen und auf eigene Macht zu verzichten. Diese Delegation und Bevollmächtigung zieht verantwortungsfähige Menschen an, reizt sie und fordert gleichzeitig heraus, die Dinge nun selbst eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen. 

2. Qualitätsmerkmal: Gabenorientierte Mitarbeiterschaft

Gottes Kreativität lässt zahlreiche Begabungen wachsen und gedeihen. Jeder Mensch ist auf unterschiedliche Weise beschenkt mit Fähigkeiten und Neigungen. Gott beruft uns Menschen, sie einzusetzen für seine Welt und die Menschen, damit sein Reich sich ausbreitet und Gemeinde sich entfaltet.

Es geht in der Gemeinde nicht darum, Menschen für Aufgaben zu finden, sondern umgedreht: zu entdecken, welche Gaben ein Mensch hat und zu schauen, welche Aufgaben daraus entstehen. Neue Ideen haben Platz und wir suchen gemeinsam nach Umsetzungsmöglichkeiten. Und manchmal bleiben auch gewohnte Aufgaben unversorgt.

3. Qualitätsmerkmal: Leidenschaftliche Spiritualität

Begeisterung ist für viele ein neuer - teils ungewohnter - Zugang zu Gott. Sie entdecken, dass sie sich zunächst einmal an Gott freuen dürfen. Leidenschaftliche Spiritualität heisst für uns: Mit Leib und Seele, Gefühl und Verstand zu Gott zu kommen. Glaubensleben, das begeistert, danach suchen wir in ganz unterschiedlichen Formen, denn Gott begeistert. Singen, beten und sein Wort wirken lassen, sollen inspirierende Erfahrungen sein durch die wir spüren möchten: Er bringt uns in Bewegung, feuert an und deshalb bin ich auch vom Gemeindeleben begeistert.

4. Qualitätsmerkmal: Zweckmäßige Strukturen

Der Zweck der Gemeinde ist es, den christliche Glauben zu leben und allen im Einzugsbereich der Gemeinde auf ansprechende Weise bekannt zu machen. Strukturen müssen deshalb ermöglichen, dass die verschiedenen Aufgabenbereiche in guter Verbindung miteinander stehen und auf Erweiterung angelegt sind.

Geordnete Strukturen legen offen, wie das geschieht, wer für die jeweiligen Bereiche verantwortlich ist und wie Entscheidungen zustande kommen. Die Gemeindestrukturen, inklusive der Finanzen, transparent zu machen ist uns ein hoher Wert. Das gibt dem Einzelnen Klarheit in seinem Handlungsfeld, macht Kompetenz deutlich und zeigt ihm seinen Handlungsrahmen auf. 

5. Qualitätsmerkmal: Inspirierender Gottesdienst

Gott Gehör schenken, Aufmerksamkeit entgegenbringen und Achtung erweisen. Das tun wir, weil wir nur von ihm Inspiration und Erhellung, Trost und Hoffnung, Motivation und Bewegung für unser Leben erwarten.

Weil Gottes Wort für Geist und Seele so lebensnotwendig ist, widmen wir der Vorbereitung und Gestaltung der Gottesdienste soviel Liebe und Mühe und legen es darauf an, dass verschiedene Menschen und Teams dabei mitwirken. Deshalb entwickeln wir das gottesdienstliche Leben der Gemeinde in unterschiedliche Richtungen weiter und fragen danach, auf welche Weise Gottes Geist am besten wirken kann ?

6. Qualitätsmerkmal: Ganzheitliche Kleingruppen

Hauskreise und einige Gruppen mit ähnlichem Zuschnitt, ergänzen den Gottesdienst und das, was er in mir in Bewegung bringen kann. In dieser vertrauten Gruppe werden geistliche Impulse und das alltägliche Leben in Beziehung zueinander gesetzt. Hier kann wachsen und vertieft werden, was im Gottesdienst angeregt wird.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass eine Kleingruppe von der äußeren Form her dem Jüngerkreis Jesu sehr nahe kommt. Vertrauensvolles Ansprechen persönlicher Erfahrungen ist hier genauso möglich wie offenes Nachfragen und gemeinsames Nachdenken. Dass das je nach Gruppe weit über geistliche Fragen hinausgehen kann, versteht sich von selbst.

7. Qualitätsmerkmal: Bedürfnisorientierte Evangelisation

Evangelisation und Mission hat einen guten Grund: Wir haben etwas Gutes weiterzugeben: die persönliche Beziehung zu Gott. Wir sagen weiter, was wir mit Gott erleben und wir möchten so leben, dass man uns auf Gott hin anspricht.

Weil uns das wichtig ist, haben wir es im 4. Leitsatz „gesandt“ festgehalten; leben doch im Einzugsbereich der Gemeinde zahlreiche Menschen, die von einem Leben mit Gott weit entfernt sind.

Es kommt uns darauf an, zu fragen: was brauchst du ? wo stehst du ? was beschäftigt dich ? Auf diese Bedürfnisse möchten wir gerne eingehen und so Suchenden und Fragenden Raum bieten, um einen Zugang zum Glauben zu finden.

8. Qualitätsmerkmal: Liebevolle Beziehungen

Es ist Gott, der aus Liebe den Kontakt und die Nähe zu seiner Welt und uns Menschen sucht. Er möchte uns in eine liebevolle Beziehung zu ihm hineinnehmen und dadurch in eine solche Gemeinschaft hineinstellen. Weil Gott so ist, ermöglicht er den Rahmen für freundschaftliche und belastbare Beziehungen untereinander. Deshalb möchten wir auch zusammen lachen, feiern und Zeit miteinander verbringen. Das tut uns gut und wir laden dazu ein, dabei mitzumachen.

Gott beschenkt uns mit einer herzlichen und offenen Atmosphäre, die wir uns bewahren möchten. So können Beziehungen vertieft werden, reifen und auch Belastungsproben bestehen.

Soweit die kurze Darstellung der Qualitätsmerkmale.

Deutlich wird, dass es nicht auf einen einzelnen Faktor ankommt, sondern das Zusammenspiel aller acht Elemente wichtig ist.

Eine Erkenntnis ist noch hilfreich: Für die Entwicklung der Gemeinde ist es wichtig, den eigenen „Minimumfaktor“ zu kennen. Er bezeichnet innerhalb der 8 Qualitätsmerkmale den, der am schwächsten in der Gemeinde entwickelt ist. Wir bemühen uns, an diesem Schwachpunkt zu arbeiten, indem wir die Stärken der Gemeinde dafür nutzen.

Aber das mag nun reichen zur Gemeindetheorie.